Neue Podcastfolge Maria hat Besuch
von Richard Schu-Schätter
Maria hat Besuch
Sie engagieren sich, damit sich die Wallfahrtsgruppen in Telgte besonders willkommen fühlen. Sie schmücken die Wege mit Fähnchen holen besonders große oder alte Wallfahrtsgruppen an den ehemaligen Stadttoren ab und haben darüber auch ein eigenes spirituelles Programm. In dieser Folge von Maria hat Besuch spreche ich mit Jochen Kohl, dem Vorsitzenden der Wallfahrtsgilde über die Gilde, die Wallfahrt, das Gnadenbild und ganz persönliche Glaubensthemen.
KI-generiertes Transskript der Folge
<!DOCTYPE html> <html> <head> <meta charset="utf-8"> <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1, user-scalable=yes"> <title>Die Fahne hochhalten</title> </head> <body>Die Fahne hochhalten
Gespräch mit Jochen Kohl über seinen Weg vom Ruhrgebiet ins Münsterland, seine Arbeit in Molkerei und Brauerei, seinen Ruhestand und sein Engagement in der Wallfahrtsgilde Telgte. Thema sind auch Glaube, Maria, Bibel und die Aufgaben der Gilde.
| Artist: | Richard Schu-Schätter |
| Album: | Maria hat Besuch |
| Year: | 2024 |
| URL: | https://maria-hat-besuch.de |
Automatic Shownotes
Chapters
| 0:07 | Ruhrpott und Ruhestand |
| 3:03 | Beruf, Familie, Prägung |
| 5:59 | Einstieg in die Gilde |
| 9:01 | Maria und Glaube |
| 14:06 | Glaube im Vereinsleben |
| 17:09 | Wallfahrt als Auftrag |
| 22:14 | Rückmeldungen der Pilger |
| 23:38 | Mitmachen und Helfen |
| 31:54 | Zukunft der Wallfahrtsgilde |
| 35:49 | Was Telgte verlieren würde |
| 40:14 | Kerze für die Mutter |
Long Summary
In dieser Folge spricht Pilgerseelsorger Richard Schu-Schätter mit Jochen Kohl über seinen Weg aus dem Ruhrgebiet ins Münsterland und seinen beruflichen Werdegang. Wir hören, welche Erfahrungen ihn geprägt haben: ein behütetes Elternhaus, frühes Engagement in der katholischen Jugend und das Kennenlernen seiner Frau in einem Ferienlager. Außerdem erzählt er, warum er sich schon früh für gemeinschaftliche Aufgaben und Führung interessiert hat. Ein Schwerpunkt der Folge ist sein Weg in die Wallfahrtsgilde Telgte. Wir sprechen darüber, wie er zunächst als unterstützendes Mitglied begann, später durch eine persönliche Anfrage den Vorsitz übernahm und wie ihn die Kapelle als geistlicher Ort seit Langem begleitet. Wir gehen auch auf seinen Zugang zu Maria und zur Pietà ein. Jochen Kohl beschreibt, warum ihn dieses Gnadenbild besonders anspricht, weil es für ihn nicht nur Trost, sondern auch den Blick auf Christus und die Hoffnung auf Auferstehung verbindet. Außerdem sprechen wir über sein Glaubensleben mit Psalmen, Stundengebet und einer Bibel-Leseaktion, bei der er das Alte und Neue Testament vollständig gelesen hat. Ein weiterer Teil der Folge widmet sich den Aufgaben der Wallfahrtsgilde: der Pflege der Wallfahrt, dem Schmücken der Wege, dem Empfang der Prozessionen und den Angeboten im Jahreslauf. Zum Schluss geht es um die Entwicklung der Gilde, die Mitarbeit von Mitgliedern jeden Alters, die offene Struktur für Unterstützer und die Frage, welche Bedeutung die Wallfahrt für Telgte hat.
Brief Summary
In dieser Folge sprechen wir mit Jochen Kohl über seinen Lebensweg vom Ruhrgebiet ins Münsterland, seine beruflichen Stationen in Molkerei und Brauerei sowie seinen Übergang in den Ruhestand. Wir sprechen über prägende Einflüsse aus seiner Kindheit, sein Engagement in der katholischen Jugend und sein Interesse an gemeinschaftlichen und leitenden Aufgaben. Ein Schwerpunkt liegt auf seinem Weg in die Wallfahrtsgilde Telgte, in der er zunächst unterstützend mitwirkte und später den Vorsitz übernahm. Außerdem sprechen wir über seinen Glauben, seine Verbundenheit mit Maria und der Pietà sowie über Gebet, Psalmen und seine Beschäftigung mit der Bibel. Wir gehen auch auf die Aufgaben der Gilde ein, darunter die Pflege der Wallfahrt, das Schmücken der Wege, der Empfang der Prozessionen und die Angebote im Jahreslauf. Zum Schluss sprechen wir über die Entwicklung der Gilde, die Mitarbeit verschiedener Altersgruppen.
Tags
Jochen Kohl, Ruhrgebiet, Münsterland, katholische Kirche, Wallfahrtsgilde Telgte, Glaube, Maria, Pietà, Wallfahrt
Transcript
Richard Schu-Schätter:
Er bezeichnet sich selbst als Ruhrpott-Schnauze. Viele Jahre hat er unter anderem Hopfen und Malz eingekauft.
Ruhrpott und Ruhestand
Richard Schu-Schätter:
Und jetzt kann er sich ganz auf seine Aufgabe als Vorsitzender der Wallfahrtsgilde konzentrieren. Wie ein Mann aus dem Ruhrgebiet an die Spitze der Wallfahrtsgilde kommt, was eine Wallfahrtsgilde überhaupt macht und wie Jochen Kohl auf die Wallfahrt in Telgte blickt, das erfährst du in dieser Folge von Maria hat Besuch. Maria hat Besuch. Dein Wahlfahrts-Podcast aus Telgte mit Pilgerseelsorger Richard Schuschetter. Ja, schön, dass du da bist. Jochen, wir sehen uns ja häufiger, aber dieses Mal ein bisschen ungewohntes Setting hier. Und als erstes mal die Frage, wenn du von Ruhrpott-Schnauze immer erzählst, dann woran erkennt man das eigentlich?
Jochen Kohl:
Ja, erstmal hallo Richard, danke für die Einladung, dass wir heute zusammenkommen. Ja, Ruhrpott-Schnauze, ich bin in Essen geboren, bin Ende 96 aus beruflichen Gründen ins Münsterland gewechselt, Ich habe aber in den ersten 34 Lebensjahren so meine Mentalität gefunden. Und Ruhrpottschnauze ist schlicht und einfach, das weiß auch jeder, die Ruhrgebietler sind sehr direkt, auch mal ein bisschen laut, manchmal ein bisschen kernig, immer Herz auf der Zunge. Und naja, da erlebt man schon mal die ein oder andere Überraschung bei Menschen, die eben nicht aus dem Ruhrgebiet kommen.
Richard Schu-Schätter:
Hast du da mal ein Beispiel für?
Jochen Kohl:
Ach, das ist jetzt schwierig zu sagen. Also ich habe natürlich auch so meinen speziellen Humor. Also ich denke mal, der eine oder andere kennt auch den Ruhrgebietshumor. Da gibt es ja auch einige Comedians, die aus dem Ruhrgebiet kommen, ob Herbert Knebel oder Frank Gosens. Und da sind natürlich Dinge dabei. Meine Frau sagt immer, da lachst auch du nur drüber, wenn ich dir irgendetwas erzähle. Der Ruhrgebietsmensch neigt natürlich auch dazu, immer Geschichten zu erzählen. Also von daher ist es halt so, dass man hier und da mal eine Reaktion dann bekommt, die man nicht erwartet. Und die ist dann eher ungläubiges Staunen. Aber das ist dann einfach so.
Richard Schu-Schätter:
Ja, also ich erlebe das ja manchmal. Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute müssen überhaupt erst nachdenken, was du da jetzt eigentlich gesagt hast und wie es gemeint war. Das fällt dann schon manchmal auf, aber am Ende ist es ja auch immer nett und lustig gemeint und das kriegen die Leute dann auch ganz schnell raus und mit. Das finde ich auch.
Jochen Kohl:
Also wichtig ist, dass die Leute dann die Kurve bekommen. Also wie gesagt, es ist nie böse gemeint, aber dadurch, dass es sehr direkt ist, könnte es der ein oder andere eben falsch auffassen. Aber wie gesagt, da lebe ich schon länger mit und natürlich jetzt länger hier, im Münsterland, weil doch fast meine Lebenszeit in Perspektive dann auch mehr hier ist, also die ich selbst gestaltet habe.
Richard Schu-Schätter:
Jetzt hast du ja vor ein paar Monaten deine berufliche Laufbahn sozusagen beendet, hast jetzt richtig viel Zeit, aber was mich wirklich immer beeindruckt ist, mit welcher Klarheit du auf den Ruhestand zugegangen bist und das jetzt auch, ich sage jetzt mal, durchziehst.
Beruf, Familie, Prägung
Richard Schu-Schätter:
Bleibt denn eigentlich für dich aus den vielen Berufsjahren wichtig? Was nimmst du so mit?
Jochen Kohl:
Ja, vielleicht zur Erläuterung. Ich bin damals aus beruflichen Gründen von Essen hier nach Telgte gewechselt. Ich habe 17 Jahre in der Molkerei Everswinkel gearbeitet, hatte da verschiedene Funktionen im kaufmännischen Bereich, und bin dann, nachdem die Molkerei Everswinkel mit der Nordmilch fusioniert ist, habe ich noch ein Jahr da mitgemacht, habe mir aber dann was anderes gesucht und habe dann im Siegerland gearbeitet bei einer bekannten Brauerei. Was mir das Berufsleben so rückblickend ist, ja, jede Menge Spaß, jede Menge Erfahrung, positive Erfahrungen in Kontakt mit Menschen. Ich war vom Beruf her Einkäufer, auch mal Vertriebler, hab immer mit Menschen gearbeitet und irgendwo war mir das alles auf den Leib geschnitten. Und dann erlebt man so eine persönliche Erfüllung, die man hat und dann habe ich es zum Schluss noch so gemacht, wie Angela Merkel, dass ich meinen Ausstieg selbst definiert habe. Ich habe gesagt, ich höre immer mit 63 auf. Mit 60 hat mein Chef das das erste Mal von mir gehört und hat das nicht geglaubt. Mit 61 habe ich es wiederholt und mit 62 hat er gesagt, okay, dann müssen wir uns ja langsam um einen Nachfolger kümmern. Und dann bin ich definitiv auch mit Ende letzten Jahres ausgestiegen. Also ich bin November 63 geworden. Also von daher habe ich dann das, was ich auch vorhatte, auch entsprechend umgesetzt.
Richard Schu-Schätter:
Vom Ruhrgebiet nach Telgte, das hast du ja gesagt, das war schon auch ein prägender Einschnitt für dich. Was würdest du denn sagen, jenseits von Ruhrputtschnauze und so, was hat dich denn in deinen ersten Jahren geprägt?
Jochen Kohl:
Also ich bin sehr behütet aufgewachsen. Ich kann das nicht anders sagen. Mein Vater war selbstständig, war immer im Einsatz. Meine Mutter hat die klassische Mutter- und Hausfrauenrolle ausgeübt, hat uns sehr viel Fürsorge zukommen lassen. Also insofern hatte ich ein sehr schönes Elternhaus und ich hatte auch dann die Möglichkeiten, die Berufsausbildung anzustreben, die ich vorhatte. Und was für mein Leben dann auch prägend war, dass ich meine Frau früh kennengelernt habe. Ich war früher sehr stark engagiert, auch in der katholischen Jugend, auf Pfarrei-Ebene, allerdings auch auf Stadtebene. War auch Messdiener bis zu meiner Hochzeit und die Hochzeit war dann schon relativ früh. Ich hatte meine Frau kennengelernt in einem Ferienlager in der Schweiz von der katholischen Kirche aus organisiert. Aber auf Stadtebene. Ich war dann im zweiten Lager stellvertretender Lagerleiter und sie war dann Teilnehmerin. Und sie war 17, ich war 20 und ich habe ihr schon einen Heiratsantrag gemacht, als sie noch 17 war. Und habe mir dann auch direkt mitgegeben, wo meine Schwächen sind. Ich habe gesagt, ich muss immer so viel Geld verdienen, dass ich jeden Handwerker bezahlen kann. Das habe ich dann auch, also die bezahle ich dann jetzt auch bis heute noch. Ja, also handwerklich bin ich völlig unbegabt. Aber was mir eben damals auch schon Freude gemacht hat, auch in der Jugendarbeit etc. ist, mit Menschen umzugehen, auch mal einen Schritt nach vorne zu gehen. Das heißt also, danach kam dann erst nach vorne keiner mehr, also auch Führung zu übernehmen, zu organisieren etc. Und das, glaube ich ist, das, was mir liegt.
Richard Schu-Schätter:
Und dann bist du in Telgte gelandet und natürlich lernt man Leute kennen, über die Kinder, macht sich einen Freundeskreis.
Einstieg in die Gilde
Richard Schu-Schätter:
Aber was hat dich eigentlich dazu bewegt, in die Wallfahrtsgilde einzutreten?
Jochen Kohl:
Das ist relativ einfach erklärt. Ein sehr guter Freund, Henning Torholte, hat 2014 den Vorsitz der Wallfahrtsgilde übernommen. Irgendwann hat er mir ein Faltblatt in die Hand gedrückt, da ich den Henning sehr gemocht habe. Mir war natürlich klar, dass Telgte auch Wallfahrtsort ist, wobei ich an der Wallfahrt zur damaligen Zeit noch nicht teilgenommen habe, das so beobachtet habe, aber nie so aktiv mitgewirkt habe. Und dann habe ich mir das angeguckt und habe gesagt, okay, ich kann jetzt nicht da aktiv einsteigen, weil ich damals auch schon im Siegerland gearbeitet habe und habe dann einfach als quasi zahlendes Mitglied den Verein unterstützt. Habe aber damals schon relativ früh angedeutet, dass ich irgendwann mal gerne mehr machen möchte. Ich habe das allerdings auch an die Bedingungen geknüpft, dass ich dann eben auch wieder die ganze Woche hier in Telgte sein sollte und nicht nur am Wochenende. Und das ist halt eben auch das Thema, was mich dann berührt hat.
Jochen Kohl:
Im Übrigen hatte ich dann auch eine Pflegesituation bei meiner Mutter, die wir nach dem Tod meines Vaters auch auf Initiative meiner Frau nach Telgte geholt haben. Da hatte ich also auch eine Aufgabe. Meine Mutter war dann sechs Jahre pflegebedürftig und ist dann 2020 verstorben. Ja, und dann kam irgendwann der Anruf von Henning. Ja, Jochen, ich hätte mir gedacht, dass du das ganz gut machen könntest. Er wollte mal aus der Rolle raus, auch aus familiären Gründen. Und dann habe ich dann hin und her überlegt und mich dann entschieden, die Aufgabe anzunehmen, obwohl ich zu der Zeit eben noch Wochenendler war. Aber irgendwie hat es dann irgendwie gewubbt.
Richard Schu-Schätter:
Und erinnerst du dich noch, An das erste Mal oder die ersten Male, als du hier in der Kapelle warst?
Jochen Kohl:
Ja, die Kapelle, also das erste Mal kann ich jetzt nicht sagen. Die Kapelle war schon relativ früh ein wichtiger Ort für mich. Und zum Beispiel auch die Entscheidung jetzt zu sagen, okay, ich nehme das Jobangebot aus dem Siegerland an, habe ich bewusst vor Gott und Maria getragen. Ich war dann in der Kapelle. Also ich hatte keine schlechte Stelle in der Molkerei. Ich fühlte mich einfach nur nicht wohl. Ich war dort lange beschäftigt, es drohte jetzt auch keine Kündigung oder sonst was, sondern es war ein freier Entschluss dann, ich sage mal, sich eine neue berufliche Perspektive aufzubauen. Und da war ich dann ganz bewusst in der Kapelle. Und als ich da rausging, wusste ich, dass ich es machen würde.
Richard Schu-Schätter:
Ja, okay. Also ein wirklicher Kraftort auch für dich.
Jochen Kohl:
Ohne Frage. Und ich hatte heute Morgen auch das Glück, ich bin seit Anfang des Jahres auch Senioren-Messiner. Wir haben hier mehrere Senioren Messdiener. Wir teilen uns das so ein bisschen auf. Wir machen die Werktagsgottesdienste und den Beerdigungsdienst, weil leider die jungen Leute dann aus schulischen Gründen da nicht können. Und ich war heute Morgen um neun Uhr dann mit Messe dienen dran. Das ist für mich immer ein besonderes Erlebnis, auch in der Gnadenkapelle Messdiener zu sein.
Maria und Glaube
Richard Schu-Schätter:
Es ist ja, wenn man hier in Telgte aufwächst, denke ich mir das so, ich bin ja auch nicht aus Telgte, Aber dann ist man irgendwie von Anfang an sehr mit Maria in Kontakt und in Verbindung. Wie war das denn bei dir? Wo würdest du sagen, kam für dich in deinem Glaubensleben, deiner Glaubensentwicklung Maria als besondere Glaubensfigur klarer ins Leben?
Jochen Kohl:
Also ich bin in Essen-Krey aufgewachsen und wir hatten in Essen-Krey ein Schönstadtzentrum. Und Schönstädter sind sehr starke Marienverehrer. Auch mein damaliger Kaplan, mit dem ich heute noch befreundet bin, der seit 40 Jahren Benediktiner ist, also dann als Weltpriester in den Orden gegangen ist, mit dem habe ich heute noch Kontakt und der hatte eine Doppelfunktion bei uns als Kaplan, hatte aber auch eine Tätigkeit in diesem Schönstadtzentrum. Und die Priester drumherum in den Nachbargemeinden waren auch alle Schönstädter und einige meiner Freunde waren auch Schönstädter. Da habe ich so ein bisschen einen falschen Blick auf Maria bekommen, weil das Ganze war so ein bisschen überhöht. Ich habe dann mir manchmal die Frage gestellt, wo ist Christus eigentlich noch in der Betrachtung dieser Menschen, die alle sehr gläubig waren. Aber für mich war damals Maria sehr überhöht. Ihr wurden auch Rollen zugeschrieben, die ich nicht so unterschreiben kann. Und insofern hatte ich da ein bisschen Abstand. Ich war da auch mal bei Jugendmessen und wie auch immer, weil meine Kumpels auch da waren. Aber vom Grundsatz her war ich nicht so angetan. Ich habe hier einen anderen Blick auf Maria bekommen, weil mich persönlich die Pieta unheimlich anspricht. Denn wenn wir hier auf die Pieta blicken, dann blicken wir auch auf Christus. Und wir sehen auf der einen Seite, dass Maria in ihrer Mutterrolle eben nicht
Jochen Kohl:
diejenige war, die Christus geboren hat, die durch den Heiligen Geist Christus empfangen hat und auch geboren hat und sich sicherlich dann auch sehr lange um ihn gekümmert hat, wie das so von der Mutterrolle ist, sondern man sieht eben, dass ihre Mutterrolle bis zum Schluss war. Im Johannes-Evangelium wird ja berichtet, dass sie unter dem Kreuz stand. Und wenn ich dann auf die Pieta gucke, sehe ich diesen Augenblick, wo Christus abgehangen wurde vom Kreuz. Und wenn sie am Kreuz war, dann glaube ich schon, dass sie ihn auch so in den Schoß nochmal genommen hat oder umarmt hat, wie wir es heute in der Pieta sehen. Und diesen klaren Blick auf Christus, den wir haben, wenn wir auf die Pieta gucken, da sehen wir beide Personen eben, das finde ich sehr schön, das finde ich sehr aussagekräftig. Und das hat für mich einen anderen Stellenwert, als wenn jetzt Maria abgebildet wird, ich sage mal mit einem Säugling auf dem Arm, mit einem Baby. Also das finde ich einen ganz starken Ausdruck, dieser Pieta. Das spricht mich persönlich sehr an.
Richard Schu-Schätter:
Und das ist, glaube ich, auch wirklich die Stärke unseres Gnadenbildes, weswegen auch viele Menschen kommen. Das wirst du vermutlich auch genauso erleben, dass Menschen, die hier mit einer Wallfahrt herkommen auch vielleicht mal davon was erzählen, dann auch ganz oft schnell bei den Themen sind, die in ihrem Leben wirklich schwer sind. Genau. Und dann eben dadurch Trost und Kraft erfahren, dass sie sehen, ja, Gott ist nicht einfach nur irgendjemand, der über allem schwebt, sondern das Leid, was jeder Mensch auch in seinem Leben mal mehr, mal weniger erfährt, das hat ja auch wirklich seinen Platz.
Jochen Kohl:
Richtig, da ist im Endeffekt noch ein Ausdruck, dass Gott eben unser Leben sehr ernst nimmt, auch in seinen Höhen und Tiefen und hier sieht man eben die Tiefen, aber gleichzeitig auch die Hoffnung, die da rauskommt, denn ich sage mal, nach dem Tod haben wir ja auch die Auferstehung, darum wissen wir ja. Also insofern ist in dem Bild auch nicht nur Trost, sondern auch Hoffnung.
Richard Schu-Schätter:
Jetzt sind wir schon wirklich mittendrin in ganz spirituellen und theologischen Fragen. Gibt es denn für dich irgendwelche Bibelstellen, Gebete, Rituale, wo du sagst, das gehört für mich einfach dazu, im Glauben?
Jochen Kohl:
Ja, ich sage mal so, ich hatte gerade schon angedeutet, dass mein ehemaliger Kaplan Benediktiner geworden ist und ich ihn auch regelmäßig besuche. Insofern habe ich auch Kontakt bekommen zum Stundengebet, zu den Psalmen. Und da gibt es eine Reihe von Psalmen, die mich schon sehr stark ansprechen. Und insofern lese ich auch relativ oder bete auch relativ häufig die Psalmen. Jetzt mehr als früher, weil jetzt habe ich ja mehr Zeit. Nein, das beschäftigt mich schon. Und ich hatte jetzt das Glück, mal zwei Jahre an einer Bible-Challenge teilzunehmen. Da hat mich ein Freund darauf aufmerksam gemacht, mit dem wir auch hier eine Gruppe habe, die Bibel teilen macht. Und diese Challenge hatte das Ziel, in zwei Jahren das Alte und Neue Testament zu lesen. Es hatte zwei Stränge und da musste man jeweils dann ein Kapitel von dem einen Strang und dann von dem anderen lesen, da waren wir tatsächlich in zwei Jahren durch. Insofern kann ich sagen, dass ich das gesamte Alte und Neue Testament mal gelesen habe.
Jochen Kohl:
Und wenn man das mal gemacht hat, dann sieht man, welcher Reichtum in den Testamenten ist.
Glaube im Vereinsleben
Richard Schu-Schätter:
Wenn wir auf persönliches Glaubensleben schauen, dann finde ich es schon auch immer sehr bemerkenswert, dass die Wallfahrtsgilde, wir kommen ja gleich noch dazu, was sozusagen Kernaufgaben sind, aber jenseits dessen, dass hier eigentlich eine Gruppe ist, die wirklich auch anpackt und mit da ist, aber die Spiritualität und das Miteinander, den Glauben zu leben, auch nicht zu kurz kommt. Vielleicht fangen wir einfach mal damit an, etwas ungewöhnlich, nicht mit der Kernaufgabe, sondern mit dem, wie sozusagen in der Wallfahrtsgilde der Glaube auch Ausdruck findet und gelebt wird.
Jochen Kohl:
Ja, wir haben ja Funktionen in der Wallfahrtsgilde. Da kommen wir, glaube ich, dann, wenn ich dich jetzt gerade richtig verstanden habe, noch drauf. Aber vom Grundsatz her ist das natürlich auch so, dass wir als Gruppe Programme haben. Und dazu gehören regelmäßige Veranstaltungen, die wir im Jahresverlauf durchführen. Da ist zum Beispiel immer an einem Freitag, in der ersten oder zweiten Januar auch, je nachdem wie es passt, eine Weihnachtsmeditation in der Kirche. Dann anschließend gehen wir ins Religio, haben dann eine Führung über die Krippenausstellung, und haben dann nachher ein gemütliches Zusammensein im Herdfahrerraum mit Grünkohl essen. Und dann haben wir die Maiandacht, mit unserem geistlichen Leiter, das ist der Propst Langenfeld hier, wo wir dann im Endeffekt nachher in seinen Garten gehen und dann zum Grillen eingeladen sind oder uns selbst einladen. Eine Kreuzwegandacht machen wir und im Sommer ist es so, dass wir als Gruppe dann einen Ausflug machen. Dieses Jahr sind wir nach Billerbeck gefahren, haben uns den Billerbecker Dom angeguckt, wir sind da nett empfangen worden vom dortigen Propst und
Jochen Kohl:
waren auf den Spuren des heiligen Ludgerus und waren nachher noch im Kloster Gerleve und haben da auch nochmal eine Führung bekommen. Also das sind Beispiele von Veranstaltungen, die jetzt außerhalb der eigentlichen Aufgabe der Wallfahrtsgilde liegen, die im Endeffekt das Vereinsleben beleben sollen, Gemeinschaftssinn fördern sollen, aber die immer einen auch spirituellen Hintergrund haben.
Richard Schu-Schätter:
Ja, und wo ich den Eindruck habe, die Mitglieder kommen da auch ganz gerne zu. Das ist auch wichtig, gemeinsam nicht nur sozusagen anzupacken oder finanziell zu unterstützen, sondern wirklich auch die Gemeinschaft im Glauben da zu spüren.
Jochen Kohl:
Ja, wir können uns nicht beklagen. Also wir haben eine recht gute Beteiligung bei solchen Angeboten. Wir sind ja ein Verein, der ungefähr 215 Mitglieder hat. Da sind viele dabei, die auch aus der Anfangszeit kommen - der Verein ist 2004 gegründet worden, ist also eigentlich noch gar nicht so alt, damals als Bürgerverein - und die uns einfach still unterstützen, was auch wichtig ist, weil wir haben ja auch entsprechende Ausgaben, es gibt auch Geschäftsleute, die uns unterstützen. Und dann gibt es eben die Aktiven und dann gibt es auch gerne die, die immer dazukommen. Dann haben wir durchaus Beteiligung an solchen Veranstaltungen von 50 Leuten und mehr. Und das ist bei der Vereinsgröße, die wir haben, doch recht ordentlich finde ich.
Wallfahrt als Auftrag
Richard Schu-Schätter:
Jetzt hast du gerade von den Aktiven gesprochen. Wo sind die aktiv? Was ist sozusagen das Kerngeschäft?
Jochen Kohl:
Ja, das Kerngeschäft der Wallfahrtsgilde oder der Zweck der Wallfahrtsgilde oder die Aufgabe ist die Pflege und Förderung der Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes von Telgte. Und die Gründungsväter und -mütter haben sich Gedanken gemacht. Ich war nicht dabei 2004, muss ich ganz ehrlich sagen. Also ich kenne es ja nur vom Hörnsagen, da ist man zusammengekommen. Man hat auch geistlichen Input bekommen, damals von Prälat Mielenbrink, der hier in der Telgter Wallfahrt sehr stark engagiert war. Und dann hat man sich eben Gedanken gemacht, was kann man machen und daraus ist eine Willkommenskultur entwickelt worden. Und die Wildskommenskultur sieht derart aus, dass für die einzelnen Wallfahrtsgruppen die Prozessionswege geschmückt werden mit Fähnchen. Wir haben 250 Fähnchen, können also viel schmücken. Und wir haben tradierte Wege, auf denen die einzelnen Wallfahrtsgruppen, die ja uns schon teilweise seit Jahrhunderten besuchen, hier in Telgte einziehen. Und wir beginnen im Endeffekt mit dem Fahnenaufstellen an den, ich sag mal, alten Stadttoren, Ems-Tor, Steintor. Münstertor, Marienlinde und führen dann im Endeffekt die Prozessionen durch unsere Fähnchen bis zur Kapelle, also meistens dann Marktplatz, Kapellenstraße oder eben Mühlenstraße direkt hierher
Jochen Kohl:
zur Kapelle, zur Kirche und wir schmücken dann im Endeffekt auch den Kapellenvorplatz und
Jochen Kohl:
den Kirchvorplatz, also die Eingänge zur Kirche und zur Kapelle. Das ist das, was speziell an den Tagen gemacht wird, wenn die Prozessionen dann kommen. Der zweite Schritt, der an dem Tag dann auch gemacht wird, ist, dass die größeren Prozessionen gemeinsam mit der geistlichen Leitung, also in der Regel mit dem Propst oder mit dir, an den Stadttoren dann empfangen werden. Und dann gehen wir mit einer Delegation und unserer Wallfahrtsfahne gemeinsam mit der geistlichen Leitung zu den Stadttoren und ziehen dann im Endeffekt vorneweg, teilweise auch begleitet durch Messdiener, auch mit Kreuz, dann eben in die Stadt ein. Also holen sie ab. Und darüber hinaus gibt es dann noch für die jeweiligen Gruppen ein individuelles Willkommensbanner, das wir an der Kapellentür, die verschlossen ist, aufstellen. Das ist am Ende der Kapellenstraße, wo wir dann nochmal die Gruppen herzlich willkommen heißen, gemeinsam eben mit der Gemeinde. Es steht dann drauf, Herzlich willkommen, wir begrüßen heute die Wallfahrer aus Da und Da. Und das ist, ich denke mal, noch so ein wichtiger Schritt, auch dann für die vielen Besucher, die wir mittlerweile hier in Telgte haben, die auswärtigen Besucher, auch nochmal deutlich zu machen, wer denn da eigentlich kommt.
Jochen Kohl:
Was findet denn eigentlich statt? Wofür sind denn die ganzen Fähnchen da? Und ich denke mal, das machen wir seit drei Jahren, das ist ganz gut eingeschlagen. Dann ist neben der Kapelle, an der Kapellenwand ist ein großes Bild mit einem Bilderrahmen. Das gestalten wir jedes Jahr neu. Da hängt dann auch jeweils das Wallfahrtsmotto. Das sind so die Themen, wo wir im Endeffekt, versuchen, Willkommenskultur zu schaffen, aber auch generell nach außen nochmal zu tragen, dass eben Telgte auch ein besonderer Ort ist, eben nicht nur zum Einkaufen oder zum Essen und Trinken, sondern auch, um dann mal in die Kirche zu gehen oder eben die Gottesmutter zu besuchen.
Richard Schu-Schätter:
Ja, und ich kriege das ja auch immer mit, wenn dann die Fähnchen gesteckt werden oder gesteckt sind und Menschen über den Kirchplatz kommen und dann manchmal auch fragen, was ist denn schon wieder los? Also ist Erstkommunion oder so? Nein, bei uns ist nicht nur ein Erstkommunion geflaggt, sondern eben ganz oft. Hast du in dem Kopf, wie oft, wie häufig ihr im Jahr die Fähnchen aufstellt?
Jochen Kohl:
Ja, das kann ich dir ganz genau sagen. Also wir haben 25 wiederkehrende größere Wallfahrten, also die jedes Mal kommen über unterschiedliche Wege. Bei kleinen Gruppen ist es auch so, muss man ehrlich sagen, da machen wir dann auch mal ein bisschen kleineres Programm. Also dann schmünken wir nur den Kapellenvorplatz um die Kirche herum, wie auch immer. Dann gibt es ja noch andere Wallfahrten, die auch die Gemeinde macht. Da ist zum Beispiel die Pfarrwallfahrt, wo wir uns nach Vinnenberg engagieren. Dann hast du ja die Fahrradwallfahrt erfolgreich hier in initiert. Die hat ja jetzt in diesem Jahr zum dritten Mal stattgefunden. Auch da unterstützen wir. Dann haben wir die Fronleichnams-Prozessionen. Da stecken wir auch entsprechend den Weg. Und dann gibt es natürlich die Wallfahrtseröffnung und das Wallfahrtsende mit den zwei großen Prozessionen durch die Altstadt und der Weg gesteckt wird. Und auch da begleiten wir dann die Prozessionen vorneweg. Und bei der Wallfahrtseröffnung und dem Wallfahrtsende sind ja dann auch die Kollegen von der Metzger, Bäcker und Brauergilde, die eben dann die Pieta durch die Stadt tragen, im Einsatz.
Rückmeldungen der Pilger
Richard Schu-Schätter:
Kannst du dich an Rückmeldungen erinnern von Wallfahrern und Pilgerinnen oder von Menschen hier aus Telgte, die dich besonders berührt haben oder besonders gefreut haben?
Jochen Kohl:
Ja, berührt nicht, also so weit sind wir noch nicht, aber ich sag mal, wo wir auch positive Rückmeldungen bekommen. Also das bekommen wir von den Wahlfahrern direkt. Dieses Jahr hat Altenrheine 350 Jahre gefeiert. Da waren wir dann auch, die hatten 14 Tage, bevor sie hier eingezogen sind, noch in Rheine eine Feier. Und da sind wir dann auch hingefahren gemeinsam mit Propst Langenfeld, und haben dann auch da an der Feier teilgenommen. Also da bekommt man schon mit, dass das sehr geschätzt wird. Ich selbst bin dieses Jahr eingeladen worden, dann auch mal ein Stück mitzugehen, von den lieben Freunden aus Bevergern. Das ist auch eine tolle Wallfahrt, die im Endeffekt ein paar Kilometer länger als die Osnabrücker ist. Das ist auch eine kleinere Truppe, weil Bevergern hat nur 5000 Einwohner und das ist aber ein harter Kern, der jedes Jahr kommt, auch trotz Corona und wie auch immer. Die waren immer da.
Richard Schu-Schätter:
52 Kilometer.
Jochen Kohl:
52 Kilometer, über 200 Leute. Also eine richtig, richtig tolle Sache, alt und jung. Und da bin ich die letzte Etappe mitgelaufen, war mal mittendrin und da merkt man schon, dass die Leute daran Freude haben und das ist dann auch so ein bisschen
Jochen Kohl:
so innere Bestätigung, Freude, die man selbst dann auch bekommt.
Mitmachen und Helfen
Richard Schu-Schätter:
Was muss man denn eigentlich machen, was muss man mitbringen, um bei euch mitzumachen?
Jochen Kohl:
Was muss man machen?
Richard Schu-Schätter:
Wenn jetzt jemand zuhört und sagt, boah, hört sich ja richtig klasse an, da hätte ich wohl Bock drauf, mitzumachen.
Jochen Kohl:
Ja, ich meine, das ist ja so, das hatte ich ja gerade schon angedeutet, wir haben jetzt, wenn ich von den großen Wallfahrten aus gehe, drei Funktionen zu vergeben. Das eine ist das Aufbauen, das andere ist die Abholung, das dritte ist das Abbauen. Und das Aufbauen und Abbauen, das ist immer sehr witzig, weil wir haben ein Gefährt, das ist ein elektrischer Rasenmäher, wo wir natürlich das Schneidewerk nicht mehr haben, aber das ist so ein kleiner Trecker. Und dahinter sind dann zwei Wagen, da steht auch Großwallfahrtsgilde drauf, die haben Platz eben für die Fähnchen, die weißen Stanken, aber auch die Eisen.
Jochen Kohl:
Und da gibt es dann im Rahmen des Auf- und Abbauens eben eingespielte Funktionen. Wir haben großteils in der Stadt Bodenhülsen in das Pflaster eingelassen. Die sind dann in der Regel mit einer Schraube abgedeckt, damit sie nicht voll Wasser laufen und verdrecken oder wie auch immer. Also die erste Funktion ist dann die Schrauben aufnehmen, das zweite ist dann Eisen zu setzen, das dritte ist die Stange, die da reinkommt, das vierte ist das Fähnchen, was da drankommt. Und abends läuft es dann eben rückwärts. Und es ist immer sehr, sehr spaßig, also die Truppe ist sehr lustig, also man feixt da doch ziemlich rum und wir werden dann auch sehr viel angesprochen, je nachdem wie voll die Stadt dann ist. Ich sage mal, morgens ist es in der Regel nicht so voll, wie dann abends, wenn wir 18, 19 Uhr abbauen, haben wir doch durch den starken touristischen Zuspruch hier in Telgte, aber auch von den Telgtern selbst, die dann noch
Jochen Kohl:
gerade in der Kapellenstraße dann noch die Außengastronomie nutzen oder am Marktplatz, da kommt man schon mit den Leuten ins Gespräch und das ist eigentlich immer eine positive Rückmeldung und das beflügelt dann doch. Aber ich sage mal, die Truppe an sich ist auch schon, ist alles nicht bierernst, sondern das macht dann Spaß und man ist mit Begeisterung dabei. Und also von daher ist eine tolle Sache. Und wenn jemand Interesse hat, ist er jederzeit herzlich willkommen. Wir führen ihn auch langsam ein. Und wir haben natürlich, kann ich auch ganz offen sagen, ich hatte ja von 215 Mitgliedern berichtet, wir haben so 20, 25 Helfer, die zu unterschiedlichen Zeiten dann auch zur Verfügung stehen oder nicht. Und von daher bekommen wir aktuell die Dienste ganz gut abgedeckt, aber wir haben auch eine gewisse Altersstruktur und insofern sind wir immer verlegen darum, wenn es Menschen gibt, die sich dafür begeistern und dann nehmen wir sie auch gerne auf.
Richard Schu-Schätter:
Also beides ist gern gesehen. Menschen, die euch ideell und finanziell unterstützen durch die Mitgliedschaft. Aber eben auch die, die vielleicht wirklich Lust haben, tagkräftig mit anzupacken, beim Fähnchen stecken oder aber eben auch beim Fahne tragen. Das ist ja sozusagen die zweite Aufgabe, wenn die Wahlfahrten kommen.
Jochen Kohl:
Das ist natürlich bei dem Fahne tragen. Das macht jetzt auch nicht jeder. Die Fahne ist relativ groß, die ist relativ schwer. Je nach Windverhältnissen ist es auch ziemlich anstrengend. Also wir waren jetzt ja letztes Wochenende bei der Pfarrwallfahrt. Und da laufen wir immer so ein Stück 900 Meter bis zur Klosterkapelle, bis zum Klostergelände. Das war so ein offenes Stück. Also es war sehr windig. Da musste man schon ganz schön kämpfen, die Fahne aufrecht im Wind stehn zu haben. Also von daher, da muss man schon ein bisschen, aber es gibt immer rechts und links jemanden, die eben noch das Banner dann so ein bisschen ausglätten oder so ein bisschen unterstützen. Das sind dann die leichteren Aufgaben. Aber die Fahne selbst zu tragen ist schon nicht einfach.
Richard Schu-Schätter:
Aber dann zeigt sich ja auch bei solchen Verhältnissen, dass es ganz gut ist, dass ihr eigentlich immer zu dritt mit der Fahne unterwegs seid. Einer muss das schleppen, übernehmen und die anderen beiden die Verantwortung.
Jochen Kohl:
Ja, ja. Es war schon extrem. Sie hat auch schon mal in der Ems gelegen. Das war aber nicht zu meiner Zeit. Es gab wohl kein Halten mehr.
Richard Schu-Schätter:
Gibt es irgendwelche Voraussetzungen, die man erfüllt haben muss, um bei euch Mitglied zu werden? Überhaupt nicht.
Jochen Kohl:
Also wir haben evangelische Mitchristen. Es gibt auch durchaus Menschen, die eine Distanz haben zur Kirche und aber trotzdem sagen, was ihr macht, das ist schön. Das ist auch was für Telgte. Denn im Endeffekt ist es ja auch ein Stück weit Ausschmückung der Stadt. Wenn ich jetzt so als Externer kommen würde, würde ich ja sagen, wenn ich die Fähnchen sehe, also hier ist ja auch irgendwas los, also in Telgte ist irgendwas los, so wird das glaube ich auch wahrgenommen. Für uns ist es jetzt natürlich mal dran zu sagen, okay, das ist nicht Stadtvolklore, das sage ich dann immer. Das ist ein anderer Hintergrund. Nein, aber vom Grundsatz her ist jeder herzlich willkommen. Wir haben auch Unterstützer, die ganz woanders wohnen. Ich kann ja auch mal sagen, was das kostet. Also insofern, das hört sich mal so wahnsinnig an. Hier kommt der Werbeblock. Der Werbeblock ist der, dass wir eine Jahresmitgliedschaft haben von 15 Euro für eine Einzelperson und 25 Euro für eine Familie.
Jochen Kohl:
Wir haben auch eine Regelung, weil wir mittlerweile auch junge Leute gewinnen konnten, wo wir gesagt haben, also wenn jetzt jemand mitmachen möchte und noch kein einiges Einkommen hat, dann ist die Mitgliedschaft dann auch erstmal kostenlos. Also da gibt es dann auch verschiedene Möglichkeiten. Es gibt auch dann Leute, die zusätzlich noch was spenden, wie auch immer. Wir haben eine große Anzahl von Unterstützern. Und das liegt aber, dass man nötigen wir auch, ich sage mal, so eine Fahne mit Eisen und Stange kostet schon Geld. Das ist nicht so mal eben. Wir haben mal die Fahnen vor ein paar Jahren erneuert, weil sie ziemlich ausgebleicht waren. Da waren schon ein paar Tausend Euro dann weg.
Jochen Kohl:
Deswegen sind wir auch sehr dankbar denen, die wir vielleicht nicht sehen, aber wo wir einfach wissen, dass sie durch einen Jahresbeitrag uns unterstützen, an unserer Seite stehen. Und das hilft uns eben im Endeffekt, den Verein am Laufen zu halten.
Richard Schu-Schätter:
Und manchmal wirkt es ja ein bisschen so, dass es alles Männer sind, aber im Unterschied zu anderen Gilden ist es ja schon so, dass jeder bei euch mitmachen darf, unabhängig von der Konfession, aber eben auch unabhängig vom Geschlecht. Manchmal sieht man auch Ulla Voss mit an der Fahne, aber da darf ruhig auch noch mehr kommen.
Jochen Kohl:
Also das ganze Thema ist nicht nur auf Männer beschränkt, das muss ich auch mal deutlich sagen, es ist kein Männerverein, sondern wir haben auch viele weibliche Unterstützer und wir haben auch weibliche Unterstützer, die mitmachen, die uns unterstützen. Und da gibt es noch mehr Namen, als den du jetzt genannt hast, ich könnte das noch Barbara Nierhoff nennen oder Hedwig Decker und Anne Mecking. Also von daher gibt es da eine ganze Reihe. Ja, und wie gesagt, wir haben junge Leute, die auch aus dem Messdienerumfeld kommen, aus der Leiterrunde. Da gibt es auch klasse, klasse junge Männer und vielleicht auch irgendwann mal Damen. So weit sind wir aber noch nicht. Und die helfen uns dann auch tatkräftig.
Richard Schu-Schätter:
Und wie ist dir das Kunststück gelungen? Ich glaube, da guckt ja manche Gruppe auch etwas neidisch darauf, dass die Wallfahrtsgilde jetzt wirklich junge Erwachsene begeistern konnte für ihre Arbeit.
Jochen Kohl:
Ja, ich sage mal, vielleicht haben wir nicht nur Willkommenskultur nach außen, sondern vielleicht auch nach innen. Das könnte jetzt so sein. Nein, durch persönliche Ansprache. Ich meine, wir haben zwei junge Männer, auch junge Herren auch dabei, die bei uns im Vorstand mitmachen. Wir haben einen neunköpfigen Vorstand. Die beiden sind Beisitzer. Das ist Lukas Schäfers und Magnus Große-Hüttmann. Das sind klasse Jungs. Ich kann es nicht anders sagen. Klasse jungen Männer, die auch liturgisch geschult sind durch ihre jahrelange Messdienerarbeit. Und dann im Endeffekt die Messdienerleitung in einem Alter abgeben müssen. Da haben die sich ihre eigenen Regularien gesetzt. Und infolgedessen war dann, durchaus die Bereitschaft da, im kirchlichen Umfeld weiterzuwirken. Und da haben wir eben dann auch ein gewisses Angebot.
Jochen Kohl:
Und da sind wir jetzt froh und dankbar, dass eben diese jungen Leute da mitmachen.
Zukunft der Wallfahrtsgilde
Richard Schu-Schätter:
Ja, mit den jungen Leuten sind wir ja eigentlich auch schon beim Thema Zukunft. Wie alle Vereine, viele Gruppen, wird die Wallfahrtsgilde auch nicht ganz sorgenlos in die Zukunft gucken. Aber was ist denn für dich das, wo du sagst, da gibt es auf jeden Fall Hoffnung und Zuversicht für eine Zukunft der Wallfahrtsgilde?
Jochen Kohl:
Also wir haben natürlich auch eine Altersstruktur, die eher typisch ist für das, wie heute Kirche so erscheint. Das muss ich mal so sagen. Also wenn man in den Gottesdienst geht, dann trifft man ja auch auf eine gewisse Altersstruktur. Es sind besondere, also ich rede jetzt vom normalen Sonntagsgottesdienst. Wenn wir jetzt hier einen besondere Themengottesdienste haben oder eine Pfarrwallfahrt oder sonst was, dann ist das, die Altersstruktur lockert sich auf. Aber vom Grundsatz her ist das so, dass man natürlich sich die Frage stellen kann, wie geht es weiter, wenn ein Großteil der Mitglieder oder der tätigen Mitglieder eben über 60 oder 70 oder vielleicht schon auch an die 80 gehen. Also ich bin da vom Grundsatz immer positiv gestimmt. Also irgendwie geht es immer weiter, das ist so. Wenn es dann nicht im Großen ist, dann im Kleinen. Wenn der Verein schrumpft, dann muss man eben die Tätigkeiten anpassen und sagen, okay, wir können nicht mehr jedes Thema bedienen. Im Moment können wir es, da machen wir es auch. Und es gelingt halt eben durchaus aktuell noch durch persönliche Ansprache, gerade der Vorstandsmitglieder, die auch dann eben werben etc.
Jochen Kohl:
Und da gelingt es durchaus schon immer, den einen oder anderen zu gewinnen. Und es gibt auch überraschenderweise immer wieder Leute, die auftauchen und sagen, Ich habe jetzt, bin in den Ruhestand getreten oder es ist eben wie bei den Messdienerleitern eben eine Funktion weggefallen, aber ich habe Spaß mich in der Gemeinde zu engagieren. So und dann kommen dann doch wieder Leute überraschend auf einen zu. Und deswegen bin ich da im Moment auch nicht bange. Was jetzt in zehn Jahren ist oder in fünf Jahren ist, weiß ich nicht. Wir leben jetzt erstmal hier und heute und freuen uns, dass es so läuft. Wir sind fast durch mit der Wallfahrtssaison, es hat alles gut geklappt. Es kommen noch zwei Wallfahrten und dann der Wallfahrtsabschluss. Und dann können wir erstmal wieder hoch die Teller, hoch die Tassen machen. Können uns freuen, dass es dieses Jahr auch wieder gut geklappt hat. Und dann kümmern wir uns ums nächste Jahr und da wird es dann auch irgendwie wieder hinkommen.
Richard Schu-Schätter:
Was war denn für dich so das Highlight in diesem Jahr?
Jochen Kohl:
Ja, die Einladung von Bevergern. Die letzte Station, also die letzten Meter oder Kilometer mitzugehen, die haben mich, ich muss dann dabei sagen, das war eben so ein Kontakt, der gekommen ist, auch hier durch die Umgestaltung der Kirche. Und dann hat man zu mir gesgat, Mensch, dann lauf doch mal mit oder wie auch immer. Das habe ich, seitdem ich diese Funktion habe, noch nicht wieder gemacht. Ich bin auch mal die Osnabrücker gelaufen, habe allerdings immer das Problem, dass ich sehr schnell Blasen kriege. Das war dann sehr schmerzhaft und da habe ich mich dann von meiner Frau in Glandorf abholen lassen, weil es ging nicht mehr. Beim nächsten mal bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Aber ansonsten kenne ich die andere Seite nicht. Und insofern war es dieses Jahr ein tolles Erlebnis für mich, hier mit Bevergern die letzten acht Kilometer zu laufen, mittendrin zu sein, mitzubeten, mitzusingen und dann eben auch hier in die Kirche einzuziehen. Das war für mich toll. Auch war es toll, wie ich es eben schon mal erzählt habe, da in der Feier in Rheine mitzuwirken, auch zu sehen, wie breit das Thema in der Pfarrei da eine Unterstützung hat, auch von der Altersstruktur her. Aber es ist immer wieder toll zu sehen, dass die Wallfahrt bei einigen Prozessionen doch sehr jung ist. Also von daher, ja, war eine tolle Saison, kann ich jetzt schon sagen. Und wir hatten Glück auch viel mit dem Wetter, wir sind nur einmal nass geworden.
Jochen Kohl:
Und ansonsten, wie gesagt, die beiden Ereignisse, die ich gerade geschildert habe.
Was Telgte verlieren würde
Richard Schu-Schätter:
Ja, was würde dir denn eigentlich fehlen und was würde Telgte fehlen, wenn es die Wallfahrt nach Telgte nicht mehr gäbe?
Jochen Kohl:
Also mir würde sehr viel fehlen, weil ich mich so eingelebt habe, engagiert habe oder engagiere. Es ist Teil meines Lebens geworden. Ich hatte ja auch soeben berichtet, dass die Gnadnekapelle für mich persönlich einen hohen Stellenwert hat. Und insofern fände ich das schon dramatisch, wenn das nicht mehr wäre.
Richard Schu-Schätter:
Und für die Stadt?
Jochen Kohl:
Ja, ich denke mal, wir hatten auch jetzt mal ein Gespräch mit der neuen Bürgermeisterin. Es war ein sehr gutes Gespräch. Ich denke schon, dass hier auch den Würdenträger und der Stadtspitze klar ist, dass Telgte auch eben eine Wallfahrtsstadt ist. Ich habe dann auch gesagt in dem Gespräch, was ist denn das Unterschiedsmerkmal zu den anderen Städten?
Jochen Kohl:
Also die Ems fließt nicht nur durch Telgte und einen Marktplatz haben andere auch und sonst was. Und das hat sich ja hier, wie ich das so einschätze, ich bin ja nur Wahl-Telgter, den Begriff gibt es ja wirklich, das ist unglaublich, aber also ich bin nicht in Telgte geboren, habe mir die Stadt selbst als Wohnort ausgesucht. Das ist ja wunderschön, aber man muss sich mal die Frage stellen, wie hat es sich denn so entwickelt, wie es ist? Und da muss man ganz offen sagen, ja, auch durch die Wallfahrt. Und deswegen glaube ich, dass die Stadt erheblich verlieren würde, so meine persönliche Meinung, wenn die Wallfahrt hier nicht mehr wäre. Es ist natürlich so ein bisschen in unserer stark säkularisierten Welt manchmal so ein bisschen überraschend zu sehen, wie die Leute darauf reagieren, wenn wir dann zum Beispiel einziehen und dann merkt man schon, wie gewisse Themen den Leuten fremd geworden sind oder auch noch nie die Leute was davon gehört haben. Also wir leben halt in einer stark säkularisierten Gesellschaft, aber ich glaube schon, dass die Wallfahrt hier den Ort belebt, ihn besonders auszeichnet, auch gegenüber vielen anderen Orten in Münsterland. Und dann kommt natürlich noch hinzu, das darf ich ja auch erwähnen, dass wir auch hier eben von seiten des Bistums her da eben eine gewisse Würdigung erfahren als Wallfahrtsort. Und insofern, ja, ich glaube, Telgte würde was fehlen.
Richard Schu-Schätter:
Und deswegen ist es gut, dass wir nicht auf Wallfahrt verzichten müssen, sondern dass es neben all dem, was natürlich an Säkularisation in der Gesellschaft passiert, und es wäre seltsam, wenn die Wallfahrt davon ganz unberührt wäre, aber ja durchaus auch erleben, dass es immer wieder Wallfahrten gibt, die nochmal boomen, die neue Leute mit ranziehen. Und ich merke das so, dass, du hast davon gesprochen, dass auch immer wieder Menschen gar nicht mehr so genau damit was anfangen können, weil es fremd ist. Aber ich erlebe das so, dass das Fremde oft dann auch nochmal reizvoll wird und die Leute dann genauer wissen wollen, was ist das eigentlich und wie ist das eigentlich und warum kommen Menschen nach Telgte. Und das gibt mir zum Beispiel auch immer wieder Mut, also zu sehen, es ist schon etwas, was dann Menschen auch anzieht, ob es jetzt wirklich das gemeinsame Unterwegssein ist oder ob es unser Gnadenbild in der Kapelle ist, wo Menschen dann reinstolpern und dann doch irgendwie spüren, hier ist irgendwie ein Andersort, der mir gut tut.
Jochen Kohl:
Das sehe ich auch und das liegt ja auch an deiner persönlichen Initiative eben, mit den Aktivitäten im Winterhalbjahr, mit der praktisch zweiten Wallfahrtssaison, die du ja initiert hast oder mit der Fahrradwallfahrt. Nein, es ist manchmal das Erstaunen der Leute, was kommt denn da, wenn man so einzieht, mit Gesang und mit Gebet und auch mit der Fahne. Dann kriegen plötzlich auch die Fähnchen, die am Wegrand stehen, eine gewisse Bedeutung. Und es ist eben auch durchaus dann festzustellen, dass die Leute so einen positiven Effekt haben. Natürlich auch ablehnende Reaktionen, ziemlich brüsk auch, wo man sich dann tief in seinen Teller versenkt und was weiß ich, und dann sein persönliches Gespräch fortsetzt, als ging nichts an ihm gerade vorbei. Aber es passiert eine Menge, das glaube ich schon. Und das ist ja auch das,
Jochen Kohl:
was motiviert an dieser Arbeit.
Kerze für die Mutter
Richard Schu-Schätter:
Wenn ich einen Gast im Podcast hier habe, dann gibt es immer eine letzte Frage, nämlich, ich gehe gleich in die Kapelle und zünde eine Kerze an. Und du darfst entscheiden, wofür diese Kerze brennen soll. Für wen oder was?
Jochen Kohl:
Für meine Mutter. Weil meine Mutter heute 87 Jahre alt geworden wäre.
Richard Schu-Schätter:
Das machen wir sehr gerne. Vielen Dank, Jochen, fürs Dasein, fürs Gespräch, für deinen Einsatz in den ganz vielen unterschiedlichen Bereichen. Und ich freue mich auf das, was noch kommt in diesem Jahr an Wallfahrten, aber dann mit dir auch im kommenden Wallfahrtsjahr zu schauen, wie können wir hier wirklich Menschen das Gefühl geben, sie sind hier herzlich willkommen sind und wir freuen uns, dass die Wallfahrer und Pilger da sind.
Jochen Kohl:
Danke und gerne.
Richard Schu-Schätter:
So, wie du gehört hast, freut sich die Wallfahrtsgilde Telgte über neue Mitglieder und neue Unterstützer. Da darfst du gerne mitmachen. Alle Informationen dazu findest du natürlich auf unserer Wallfahrtsseite telgter-wallfahrt.de. Da kriegst du auch sofort den Link direkt zur Wallfahrtsgilde. Wenn dir die Folge gefallen hat, dann erzähl es doch weiter, teile es in deinen sozialen Netzwerken. Und ich freue mich, wenn du auch beim nächsten Mal wieder einschaltest, wenn es heißt, Maria hat Besuch. Bis zum nächsten Mal.